DIN EN 1090 macht die Zertifizierung aller Metallbaubetriebe erforderlich

In Kürze in handhabbarer Form verfügbar.

Braucht jeder Treppenhandlauf bald ein CE-Kennzeichen? Wenn es nach der neuen DIN EN 1090-1 geht, die Ende des Jahres im Europäischen Amtsblatt veröffentlicht werden soll, lautet die Antwort: Ja. Spätestens 2013 - wenn die mutmaßlich zwei Jahre dauernde Übergangsfrist abgelaufen sein wird - müssen alle Metallbauer zertifiziert sein, die im bauaufsichtlichen Bereich arbeiten. Produkte ohne CE-Kennzeichen können dann von Auftraggebern als mangelhaft angesehen werden. Unternehmen, die bisher nach der Herstellerqualifikation Klasse A gearbeitet haben, müssen ihre werkseigene Produktionskontrolle zertifizieren lassen und sich auf erhebliche Herausforderungen einstellen. Auch wer heute schon nach der DIN 18800-7 arbeitet, muss damit rechnen, dass die über 200 Seiten umfassende neue DIN EN 1090-2 in Bezug auf  Prozessplanung, -steuerung und -dokumentation erweiterte Anforderungen stellt.

Ganz überraschend kommt diese Veränderung nicht auf den Metallbau zu. Seit 1988 wird an der DIN EN 1090 gearbeitet. 1996 waren die ersten 6 Teile fertig und 1998, vor über 10 Jahren, wurde die Vornorm DIN V ENV 1090-1 veröffentlicht. Dass die abschließenden Beratungen so lange dauerten, ist angesichts der Folgen dieser Norm nicht verwunderlich. Immer wieder gab es Änderungswünsche und Versuche, die Norm zu stoppen. Zumal viele europäische Nachbarländer keineswegs über die flächendeckenden Qualifizierungsangebote verfügen, die in Zukunft benötigt werden, um alle Metallbaubetriebe zu befähigen, nach der neuen Norm zu arbeiten.

Selbst für die deutsche Zertifiziererlandschaft ist die DIN EN 1090 kein Selbstläufer. Die wenigsten Zertifizierer sind mit ihren Kompetenzen und Angeboten so breit aufgestellt, dass sie den Anforderungen genügen, die auf Grund der Komplexität der aus der Norm resultierenden Aufgaben an einen „notified body“ gestellt werden. Es zeichnet sich heute bereits ab, dass nicht alle anerkannten Stellen, die die Herstellerqualifikation nach DIN 18800-7 bescheinigen, auch einen Antrag auf  Notifizierung in Sachen EN 1090 beim Deutschen Institut für Bautechnik stellen. Der deutlich gestiegenen Anzahl zu überwachender Betriebe stünden dann weniger Überwacher gegenüber. Ob es deswegen gelingen kann, innerhalb der Übergangsphase die WPK in allen Betrieben zu zertifzieren, bleibt abzuwarten.

Der Bundesverband Metall, der die Einführung der Norm schon lange begleitet, rät nicht nur allen Unternehmen, sich mit der Norm rechtzeitig zu beschäftigen, er informiert und begleitet auch die mit der DIN EN 1090 verbundene Umstellung durch eine breit angelegte Informations- und Qualifikationsoffensive mit dem Ziel, auf Landesverbands- und Innungsebene im Detail zu informieren. Auch am Entwurf der DVS Richtlinie 1711, die ausführt, was eine Überwachung der Werkseigenen Produktionskontrolle ausmacht und wie sie zertifiziert und überprüft wird, haben die Experten des Bundesverbandes Metall mitgearbeitet. Dank der stetigen aktiven Mitarbeit des Geschäftsführers Technik beim Bundesverband Metall, Dipl.-Ing. Karsten Zimmer, macht sie die umfangreiche Norm nicht nur verständlich und handhabbar, die Anliegen der Verbandsmitglieder konnten so in die Umsetzung Eingang finden.

Herr Zimmer, die DIN EN 1090 hat nicht nur Freunde. Warum?

Kann eine mehr als 200 Seiten umfassende Norm Freunde haben? Allenfalls die beteiligten Hochschulprofessoren und Zertifizierer freuen sich. Hier zeigt sich deutlich, dass Normungsarbeit auf europäischer Ebene ein Kompromissgeschäft ist und sich alle aktiven Normer in dem gemeinsamen Papier wiederfinden möchten. Wer sich am Entstehungsprozess nicht beteiligt, muss sehen, wie er die Anforderungen aus der Norm umsetzt.

Glauben Sie, dass diese Norm in allen europäischen Ländern rechtzeitig umgesetzt werden wird?

Die Norm EN 1090-1 muss in allen Mitgliedsländern umgesetzt werden. Und zwar ohne nationale Einschränkungen oder Änderungen. Wir hatten uns um eine Anpassung auf unsere Bedürfnisse in Deutschland über das DIBt bemüht. Die Antwort war und ist eindeutig: Auch Klasse A-Betriebe müssen ihre Werkseigene Produktionskontrolle zertifizieren lassen.

Welche Hindernisse es bei Umsetzung in anderen Ländern  gibt oder wie ernst die Zertifizierung dort genommen wird, entzieht sich meiner Kenntnis. Es gibt auf europäischer Ebene einen Erfahrungsaustausch der notifizierten Stellen. Über dieses Gremium werden wir mittelbar Informationen zum Stand der Umsetzung erhalten.

Der Aufwand, den die Norm für viele Metallbauer mit sich bringt, ist erheblich und manch einer hält die DIN EN 1090-1 für übertrieben. Wie kann der Bundesverband Metall für die Zukunft solche Entwicklungen vermeiden? 

Auf Bundesebene werben wir schon lange für mehr und aktivere Normungsarbeit, um die Interessen des Metallhandwerks in den relevanten Gremien zu vertreten. Die Normung und die Beantwortung technischer Fragestellungen sind das wichtigste Alleinstellungsmerkmal unseres Fachverbandes. Wir müssen unsere Anliegen selber in den europäischen Normungsgremien vertreten. Das fängt bei den nationalen Spiegelgremien an. Wer sich wirklich einbringen will, muss über die nationalen Spiegelgremien in die europäischen Ausschüsse. Gemeinsam mit unseren Schwester-Verbänden in der Europäischen Metall Union (EMU) ist es durchaus möglich, eine wirksame Interessenvertretung in Brüssel zu organisieren. Das muss unser Ziel sein. 

Was hindert Sie daran, dieses Ziel möglichst schnell zu erreichen?

Aktive Normungsarbeit für das Metallhandwerk erfordert mehr als einen Mitarbeiter. Wir brauchen mehr Geld in der Verbandskasse. Die BVM-Mitgliederversammlung hatte die "Neuausrichtung" des Bundesverbandes beschlossen. Das war auch mit einer Beitragsanpassung verbunden. Einige Landesverbände haben dazu bereits positive Beschlüsse gefasst. Aus anderen Landesverbänden hören wir jetzt, die Beitragsanpassung sei nicht zumutbar. Wenn sich daran nichts ändert, müssen die Metallbetriebe auch in Zukunft Normen in Kauf nehmen, die an ihren Bedürfnissen vorbeigehen und hohe Zertifizierungskosten verursachen. Die Zertifizierer und Überwacher wird es sicherlich freuen. Das darf aber nicht die Position des Bundesverbandes Metall sein. Damit wir endlich die Interessen des Metallhandwerks in den Normungsgremien vertreten können, müssen wir vor Ort nochmals Überzeugungsarbeit leisten. Wenn Beitragsanpassungen in naher Zukunft nicht möglich sind, müssen die Mittel, die dem Verband zur Verfügung stehen, anders innerhalb der vielen Verbandsstufen verteilt werden. So sehen das zumindest alle Mitglieder und Unternehmer, die Normungsarbeit für wichtig halten.

 

Kontakt
Dipl.-Ing. Karsten Zimmer
Bundesverband Metall
Vereinigung Deutscher Metallhandwerke
Ruhrallee 12
45138 Essen
Tel.: +49(0)201 89 619 15
Fax: +49(0)201 89 619 20
E-Mail: karsten.zimmer@metallhandwerk.de
www.metallhandwerk.de

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