Der Schmiedinnen Glück:
künstlerisch und körperlich arbeiten.Wohl weil die meisten Teilnehmer beim Bundesleistungswettbewerb des Metallhandwerks in Deutschland männlich sind, fallen zwei junge Frauen auf der Bühne in Northeim ganz besonders auf: Henriette Abitz aus Berlin und Romy Freudental aus Schleswig-Holstein haben es in der Disziplin des Schmiedens bis zur Teilnahme am Bundesleistungswettbewerb geschafft. Eine Woche vorher, am 3. November 2010, hatte der Berliner Tagesspiegel über die 22-jährige Landessiegerin im Metallbau- Metallgestaltung geschrieben: „Berlins bester Schmied ist eine Frau“. Die zierliche Schmiedin lernte ihren Beruf bei Gabriele Sawitzki in der Rixdorfer Schmiede. Sie war die erste Frau, die nach 380 Jahren die Herrschaft über das Feuer in der Schmiede in Rixdorf übernahm. Als Gesellenstück hatte sich Henriette Abitz an die Konstruktion und die Fertigung einer Feuerstelle gewagt, die so gut benotet wurde, dass die Metallgestalterin für die Teilnahme am Bundesleistungswettbewerb nominiert wurde. Romy Freudenthal (24) hatte sich beim Landeswettbewerb in Schleswig-Holstein für die Teilnahme am Bundesleistungswettbewerb qualifiziert. Die Sächsin wurde in Struxdorf (Schleswig-Holstein) in der Metallgestalterwerkstatt von Carl-Lorenz Munnecke ausgebildet (www.schmiedearbeiten.com). Wie die beiden Gesellenstücke zeigen, bewiesen beide Schmiedinnen mit ihren Arbeiten große Könnerschaft und ein außergewöhnlich gutes Formgefühl. Wir haben mit den beiden jungen Frauen gesprochen.
Frau Abitz, Frau Freudental: Wie kam es zu dieser Berufswahl?
Henriette Abitz: Das war ein Zufall. Ich wohnte nur fünf Minuten von der Rixdorfer Schmiede entfernt. Schon als kleines Kind war ich von der Schmiede und dem Feuer fasziniert. Nach dem Abitur wollte ich studieren und brauchte ein Praktikum. Das habe ich in der Schmiede gemacht und bin dort geblieben. Ich liebe es, mit den Händen zu arbeiten und das Ergebnis zu sehen. Das habe ich im Theoriebereich nicht.
Romy Freudental: Ich habe nach dem Abitur erst in der Landwirtschaft gearbeitet, aber das war nicht das richtige. Dann wollte ich ein Praktikum machen und kam zufällig an der Schmiede in Struxdorf vorbei und habe dann dort gefragt. Mir geht es darum, körperlich und künstlerisch zu arbeiten.
Frau Abitz, Sie sind doch eher klein und zart: Kann ein Mädchen, das so zierlich ist, als Schmiedin arbeiten?
Henriette Abitz: Auf jeden Fall. Es kommt auch auf die Technik an und nicht nur auf die Kraft. Übrigens wird diese Frage Altenpflegerinnen nicht gestellt. Das ist aber harte Arbeit. Wenn Patienten umgebettet werden, müssen große Gewichte bewegt werden.
Romy Freudental: Ja. Jede Frau mit Ambitionen kann das machen.
Wie geht es weiter?
Henriette Abitz: Ich möchte in meinem Beruf erst noch einmal weiter arbeiten und dazu lernen.
Romy Freudental: Ich werde jetzt erst einmal zwei oder drei Jahre auf Wanderschaft gehen.
Worauf sind Sie beide bisher besonders stolz?
Henriette Abitz: Mein Gesellenstück hat mich sehr viel Nerven gekostet. Mit der Herstellung des Feuerkorbs war eine Menge Entwicklungsarbeit verbunden. Man muss zeichnen und dreidimensional denken können. Die Arbeit hat eine künstlerische Komponente, es ging darum, eine möglichst formschöne Lösung zu finden.
Romy Freudental: Ich habe für meinen schönen alten Kachelofen einen Untersatz geschmiedet und freue mich jetzt an diesem Anblick. Jede Schmiedearbeit ist einzigartig.
Kontakt
Karlheinz Efkemann BUNDESVERBAND METALL (BVM)
Vereinigung Deutscher Metallhandwerke
Ruhrallee 12
45138 Essen
Tel.: 0049(0)201-8961914
Karlheinz.Efkemann@Metallhandwerk.de
Die Imagekampagne des Deutschen Handwerks: Metall ist dabei mehr>


