Von der Dorfschmiede zum innovativen Stahlbauer
Innovation „Made in Sachsen“: 80 Jahre Walther Technik
Walther Technik aus dem kleinen Ort Crimmitschau in Sachsen hat in den letzten achtzig Jahren so manche Herausforderung erfolgreich gemeistert. Zwei Mal gelingt der Neubeginn: Vom Schmied zum Zulieferer für die volkseigenen Unternehmen, vom Produzenten von Maschinenteilen zum Anbieter modernster Stahl- und Aluminiumfassaden. Fünfzig Mitarbeiter beschäftigt der Unternehmer Thomas Walther. Heute kann er trotz des übervollen Terminkalenders das Erfinden nicht lassen. Eine ganze Reihe von Patenten wurden ihm zugesprochen: Innovationen „Made in Sachsen“.
Gegründet wurde die Walther Technik 1929 von Johannes Walther, der die Dorfschmiede in Crimmitschau erwarb. Hufe werden dort beschlagen, Schmiede- und Karosseriearbeiten ausgeführt. Tore, Türen und Beschläge, Maschinenteile und Werkzeuge verlassen die Werkstatt oder werden dort repariert. Die Esse glüht, der Schmiedehammer hat gut zu tun. Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Gründung der DDR verändert sich die Nachfrage gründlich. Die Metallwerkstätten der neuen Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften machen den Dorfschmieden das Leben schwer. Nachfolger Rolf Walther muss umdenken und kann es auch. Als Zulieferer für Volkseigene Betriebe gibt es für ihn und seine Angestellten schon bald wieder genug zu tun.
Walthers Sohn Thomas wächst in das väterliche Unternehmen früh hinein. Schon als Dreijähriger, so erzählen ihm seine Eltern später, ist er zu gerne in der Werkstatt. Nach der Schule wirft er den Ranzen in die Ecke und hilft in der Werkstatt mit: Das Tüfteln und Ausprobieren liegt ihm im Blut. Schon früh weiß Thomas Walther, was er will: Nach dem Abitur studieren und dann in die Fußstapfen des Vaters treten.
In der DDR groß geworden, bekommen Thomas Walther und seine Frau Kerstin von klein auf die Vor- und Nachteile der Selbstständigkeit mit. Schon als Jugendlicher bessert Thomas Walther sein Taschengeld mit der Herstellung von Schmuck und Schmiedearbeiten auf. Was er anfängt gelingt. Daran ändert auch der Lehrer in der Schule nichts, der ihn als „Kapitalistensohn“ anfeindet. Thomas Walter: „Das hat man irgendwie weggesteckt. Handwerker zu sein hatte Vorteile. Wir waren politisch nicht erpressbar. Es war kein Zugriff auf uns möglich. Nur bei der Zuteilung der Materialien gab es echte Berührungspunkte“. Partei und Politik hatten bis zum Schluss ein zwiespältiges Verhältnis zu dieser Art von privatem Unternehmertum. Das hatte nichts mit den Walthers persönlich zu tun. Als selbstständiger Handwerker war man “ irgendwie quer zum System“.
Nach dem Abitur und der Armee geht Thomas Walther im väterlichen Betrieb in die Lehre, macht den Gesellenbrief und gleich darauf den Schmiedemeister.
Nach der Wende: Unterstützung durch westdeutsche Handwerksbetriebe Politisch ist der Jungunternehmer Thomas Walther engagiert und interessiert. Als Mitgründer des Forums Bürgerbewegung setzen er und seine Frau Kerstin sich für die Wiedervereinigung ein, die 1989 gelingt, aber unerwartete Herausforderungen mit sich bringt. Kerstin Walther: „ Es war aufregend an der politischen Wende mitzuarbeiten, wenn auch nur in unserer Region, doch dort konnten wir aktiv etwas bewegen. Solch positives politisches Erleben ist nicht jeder Generation vergönnt. Wir waren jung und voller Dynamik. Es gab nur ein gut durchdachtes „nach vorn.“
Die Nachwendezeit ist jedoch nicht nur aufregend, sondern auch wirtschaftlich schwierig. Nach ersten Besuchen in Westdeutschland ist Thomas Walter eines völlig klar: Gegen die Konkurrenz aus dem Westen haben er und seine drei Mitarbeiter keine Chance. Was tun? Der Zufall hilft. Westdeutsche Handwerkskammern bieten Kollegen aus den neuen Bundesländern Erfahrungsaustausch und Wissenstransfer an. Walther: „Ich habe mich sofort gemeldet.“ Wenige Tage später gehen an die vierzig oder fünfzig Einladungen bei ihm ein. „Westdeutsche Betriebe luden mich ein, sie zu besuchen, von ihnen zu lernen oder mit ihnen zusammen zu arbeiten.“ Der Unternehmer erkennt seine Chance und greift zu.
Von seinen Reisen kommt er mit wichtigen Anregungen im Gepäck zurück. Nächtelang wird im Hause Walther diskutiert und Pläne werden geschmiedet. Man entschließt sich, das Unternehmen neu zu starten. Die Walther Technik setzt auf nachträglich einbaubare Rollläden und die Rechnung geht auf. Steigende Umsätze lassen die Zukunft schon bald gesichert erscheinen. Doch Thomas Walther ist noch nicht am Ende des Weges: Er möchte in die Rollladenproduktion einsteigen. Die Halle dafür ist schon im Bau – da kommt es anders. Walther: „ Eigentlich wußte ich, daß ich weiter in die Zukunft schauen muß.“
1991 steigt der gelernte Schmied in den Metallleichtbau ein. Die neue Halle wird mit modernsten Maschinen und Werkzeugen bestückt. Wenig später verlässt das erste Stahl-Glas-Fenster die Halle in Crimmitschau. Eine weitsichtige Entscheidung, die bis heute trägt. 1995 ist der nächste Erweiterungsbau notwendig. 2005 folgt die dritte Ausbaustufe: In der neuen Produktions- und Logistikhalle findet auch der ständig wachsende Aluminiumbau seinen Platz. Ein 5-achsiges CNC-Hochgeschwindigkeits-Bearbeitungszentrum geht in Betrieb, Planung und Herstellung von Fenstern, Türen, Toren und Fassadenteilen werden auf die neue Technik umgestellt. Alle Unternehmensprozesse - von der Planung bis hin zur Abrechnung der Arbeitszeiten - werden digitalisiert. Da die Standartsoftware nicht gut genug ist, wird sie für den speziellen Bedarf von Metallbauunternehmern weiter entwickelt und schon wieder ist ein neues Produkt am Markt: Software made in Sachsen.
Über vier Geschäftsbereiche verfügt das 50 Mitarbeiter große Unternehmen Walther Technik heute. Zum klassischen Stahl-, Fenster- und Fassadenbau kamen die Bereiche Tür- und Torsysteme, sowie Sicherheit und Brandschutz hinzu. Das nach ISO zertifizierte Unternehmen wickelt heute Großaufträge in ganz Deutschland ab: Fassaden, Fenster, Tore und Türen werden in Crimmitschau geplant und hergestellt. Vor dort gehen sie nach München, Berlin und weitere Städte und in die Regionen. Das Abgeordnetenhaus in Berlin und Neubauten auf dem Campus der Universität München sind nur zwei Bespiele auf der langen Liste herausragender Referenzprojekte, auf die das Unternehmen inzwischen verweisen kann.
Neben der Technik interessieren den mehrfach ausgezeichneten Unternehmer Thomas Walther auch soziale und ökologische Themen in Theorie und Praxis. Seit 10 Jahren ist er Mitglied der Umweltallianz Sachsen und Pionier in Sachen Solartechnologien. Die Fassade seines Anfang der 90er Jahre erbauten Firmengebäudes sieht nicht nur gut aus, sie produziert auch Strom. Als Sponsor und Mitglied des örtlichen Lionclubs unterstützt Thomas Walther soziale und sportliche Ziele der Region.
Und da dies alles noch nicht genug ist, fällt dem kreativen Kopf immer wieder etwas Neues ein, womit er die Welt verbessern kann. Thomas Walther: „Manchmal wenn ich etwas sehe, das nicht funktioniert, fange ich an darüber nachzudenken.“ Aus dem Nachdenken erwachsen Ideen und aus manchen Ideen auch Patente. Eine ganze Handvoll wurde ihm inzwischen zuerkannt. Thomas Walther weiß: „Solche Entwicklungen rechnet man nicht in Monaten, sondern in Jahren.“ Das letzte Patent für sein funkgesteuertes Parkplatzsicherungssystem hat er erfolgreich verkauft. Das innovative Produkt wird inzwischen auf dem Markt vertrieben. Selber produzieren wollte er es nicht. Denn eines hat Thomas Walther in all den Jahren gelernt : „Man darf sich nicht verzetteln.“
Kontakt
Walther-Technik GmbH
Thomas Walther
Unter den Weiden 31
08451 Crimmitschau
Telefon: +49(0)3762 95 66 0
Telefax: +49(0)3762 95 66 111
E-Mail: info@walther-technik.de
www.walther-technik.de
Die Imagekampagne des Deutschen Handwerks: Metall ist dabei mehr>


